Das waren die top 15 Micro-Trends im Dezember 2019

1. STRICKLABEL LÄSST KUNDEN SCHAFE ADOPTIEREN

Das Stricklabel Sheep Inc. hat ein Geschäftsmodell entwickelt, das nicht nur eine CO2 -negative Bilanz aufweist, sondern auch KundInnen durch den Kauf eines Pullovers aus Merinowolle automatisch ein Schaf in Neuseeland adoptieren lässt. Über einen im Pullover integrierten Chip können KundInnen Informationen über ihr Schaf abrufen und mehr über den Herstellungsprozess eines Pullovers lernen beziehungsweise darüber, wie die Wolle vom Schaf geschoren und zum Pullover verarbeitet wird. Das Ziel von Sheep Inc. ist, ihre KundInnen von ihrem nachhaltig produzierten Pullover zu überzeugen, der bei guter Pflege ein Leben lang hält.

2. DIGITALER SUPERMARKT OHNE ZWISCHENHÄNDLER

Das US-Start-up Move will die Ineffizienz traditioneller Supermärkte senken, indem es KäuferInnen und Produzenten direkt zusammenbringt. Die neue digitale Plattform verspricht den Verbrauchern qualitativ hochwertige Waren in schlichtem Design zu niedrigeren Preisen und eine wettbewerbsfähigere Bezahlung für die Erzeuger. Move ist nur für Mitglieder mit einer Move-Member-Card geöffnet, für die eine Jahresgebühr zu entrichten ist. NutzerInnen erhalten dafür unter anderem einen Personal Shopping Assistant, den sie über die gesamte Customer Journey bei Bestellungen und Fragen kontaktieren können.

3. VIDEOS GENERIEREN SICH AUTOMATISCH AUS TEXT

Ein Team aus ForscherInnen von Universitäten aus China, Israel und den USA haben das Programm „Write-A-Video“ entwickelt, mit dem Videos automatisch aus Text generiert werden können. NutzerInnen formulieren dafür in dem Programm deskriptive Sätze, zu denen ein Algorithmus aus einem Videoarchiv passende Aufnahmen zusammenstellt. Anhand von Schlüsselbegriffen in dem Text werden anschließend die geeigneten Aufnahmen priorisiert und automatisch zusammengefügt. Durch diese Verbindung von Algorithmus und menschlichem Schreiben gewährt das Tool mehr Menschen Zugang zum Editieren von Videos, für das zurzeit viel Know-how und teure Programme nötig sind.

4. KI ADAPTIERT DAS INDIVIDUELLE FAHRVERHALTEN

Die Hyundai Motor Group hat die Entwicklung der weltweit ersten auf maschinellem Lernen basierenden Smart Cruise Control (SCC-ML) angekündigt. Mithilfe von Sensoren, Kameras und Bordcomputern werden dabei die Muster und Gewohnheiten des menschlichen Fahrers überwacht, um so unter anderem den typischen Verfolgungsabstand und die jeweilige Beschleunigungsrate zu erfassen. Anschließend werden die Daten durch einen maschinellen Lernalgorithmus geleitet, der in Zukunft, wenn das Fahrzeug autonom fährt, den individuellen Fahrstil nachahmen kann und der Fahrerin/dem Fahrer so ein gewohntes Fahrgefühl vermittelt.

5. HOLOGRAMM PER ULTRASCHALL

WissenschaftlerInnen der britischen University of Sussex haben eine Technik entwickelt, um im Raum schwebende Hologramme zu erstellen, die fühl- und hörbar sind. Sie nutzen dazu eine Plastikkugel mit einem Durchmesser von einem Millimeter, die mit Geschwindigkeiten von bis zu neun Metern pro Sekunde Objekte in die Luft zeichnet. Das Teilchen erscheint dem Gehirn durch seine für das Auge nicht wahrnehmbare Geschwindigkeit wie ein dreidimensionales Bild. Gelenkt wird die Kugel per Ultraschallwellen, die von oben und von unten auf sie einwirken. Farbiges Licht und zusätzliche Schallwellen erzeugen ein buntes sensorisches Erlebnis.

6. KI-TOOL ZEIGT REZEPTE JE NACH WARENKORB

Die US-Supermärkte Shoprite und The Fresh Grocer statten ihre Onlineshops mit dem KI-Tool „CookIt“ aus, um KundInnen personalisierte Rezeptvorschläge passend zu ihrem Warenkorb zu liefern. „CookIt“ berücksichtigt dabei die Präferenzen sowie Unverträglichkeiten der KundInnen und achtet auf saisonale Besonderheiten. Das Tool durchsucht dafür den Rezeptshop mit Hunderten Rezepten und passt den Menüvorschlag an den aktuellen Warenkorb an. Dabei werden auch die benötigte Zutatenliste aktualisiert und der Gesamtpreis angegeben. Das soll KundInnen dabei helfen, schnell und zielgerichtet einzukaufen.

7. GUTES TUN DURCH ANSCHAUEN VON STORY-WERBUNG

Die Unilever-Marke Dove ist eigenen Angaben zufolge die erste Marke, die das Anschauen von Instagram-Storys mit einer Spende verknüpft. FollowerInnen der Marke, die eine sogenannte „Ethical Ad“ per Instagram-Story aufrufen und die Deodorantwerbung bis zum Ende anschauen, werden zu einer Seite weitergeleitet, auf der sie auswählen können, an wen Dove spenden soll. Die Marke stellt dafür die Organisation UN Women und das Dove Self-Esteem Project zur Auswahl. Unilever hat bereits „Ethical Ads“ für Onlinewerbung der Marken Knorr und Lynx verwendet und richtet sich auf Instagram nun an die Zielgruppe der jungen Frauen.

8. ANZEIGE PER SPRACHSTEUERUNG ANPASSEN

Das Bekleidungsunternehmen C&A bewirbt seine Kollektionen mit mobilen Anzeigen, die sich per Sprachbefehl ändern lassen. Die von Carat Deutschland und der Münchner Agentur Screen On Demand entwickelte Funktion wird so in digitale Marketingmaßnahmen einbezogen und kombiniert Voice und E-Commerce. Die „Dynamic Voice-Activated Ad“ reagiert auf die NutzerInnen, sobald diese auf den Button des Werbemittels drücken und so etwas sagen wie: „Hallo, C&A, zeig mir ein anderes Outfit an.“ Im nächsten Schritt poppen neue Kleidungsstücke auf, die durch eine Shopverknüpfung gekauft werden können.

9. AR-SHOPPING AM FERNSEHER

Der südkoreanische Mobilfunkanbieter LG Uplus hat mit dem Start-up eyecandylab kooperiert und die App „U+ AR Shopping“ gelauncht, mit der NutzerInnen im Fernseher präsentierte Produkte in AR anzeigen und einkaufen können. Die App kann auf die südkoreanischen Kanäle GS Shopping und Home&Shopping angewendet werden. NutzerInnen richten dabei das Smartphone auf den Fernsehbildschirm, sehen dann die beworbenen Produkte in 3-D und mit einem Textfeld versehen in ihrer Umgebung und können sie shoppen. Kunden des 5G-Tarifs von LG Uplus erhalten 5 Prozent Rabatt, wenn sie für das Einkaufen die AR-Funktion nutzen.

10. BILLBOARD WANDELT LÄRM IN STROM UM

Peugeot hat gemeinsam mit dem Displaynetzwerk Clear Channel kurzzeitig eine Werbetafel in Paris installiert, die Stadtlärm in Strom umwandelt. Damit wiederum wurde das neue E-Auto Peugeot 208 aufgeladen. Die Werbetafel bestand aus Tausenden elektrischer Sensoren mit piezoelektrischen Eigenschaften. Diese generierten aus Schallwellen elektrische Energie, die für die ungewöhnliche Ladestation verwendet werden konnte. Die Installation sollte nicht nur für das neue Automodell werben, sondern im Zuge der Kampagne „Unboring the Future“ Möglichkeiten aufzeigen, wie Lärm sinnvoll „recycelt“ werden könnte.

11. KÜNSTLICHE INTELLIGENZ ALS MUSIKSTAR

Das britische Start-up Auxuman will ab sofort monatlich unter verschiedenen Pseudonymen wie Yona, Mony oder Gemini ein neues Musikalbum veröffentlichen, das von einer künstlichen Intelligenz erstellt wurde, um herauszufinden, ob Roboter kreative Genies sein können. Die Musik wird durch Algorithmen erzeugt, die Wörter, Melodien und eine digitale Gesangsstimme generieren und zu einem Lied inklusive Musikvideo orchestrieren. Laut den Machern sollen die Maschinen Formen und Stile mischen und verschmelzen können, um so den nächsten aufregenden Sound von morgen zu kreieren.

12. FOLIE MACHT UNSICHTBAR

Das Unternehmen Hyperstealth Biotechnology hat die Technologie hinter einem kostengünstigen Material patentiert, das Licht biegt, um Menschen und Gegenstände für das bloße Auge nahezu unsichtbar zu machen. Ermöglicht wird dies durch eine Lentikularfolie, bei der jeder Grat aus einer konvexen oder nach außen gewölbten Linse besteht. Wenn mehrere dieser Lentikularfolien mit
unterschiedlichen Linsenverteilungen genau in der richtigen Weise geschichtet werden, können sie das Licht in einer Vielzahl von Winkeln brechen, um tote Punkte zu erzeugen, die das Licht nicht mehr passieren kann.

13. FLEXIBLES DISPLAY FÜR DIE MENSCHLICHE HAUT

WissenschaftlerInnen an der Nanjing-Universität in China haben eine Methode entwickelt, mit der sich flexible, elektrisch leitende Displays direkt auf der menschlichen Haut platzieren lassen. Das Display besteht aus silbernen Nanokabeln, die eine Schicht dehnbaren und nicht leitenden Polymers umhüllen, das mit keramischen Nanopartikeln versehen ist. Letztendlich könnte diese Methode zum Anzeigen von Patientendaten, etwa bei Echtzeitmessungen oder tragbaren Messgeräten, verwendet werden, denn im Vergleich zu herkömmlichen Displays benötigen sie weniger Strom und bergen dadurch ein geringeres
Verletzungsrisiko.

14. KI SIEHT BABYS ERBKRANKHEITEN AN

WissenschaftlerInnen des Shanghai Children’s Medical Centre und des Shanghai Paediatric Centre haben ein Diagnose-Tool entwickelt, das KI verwendet, um bei Neugeborenen Erbkrankheiten zu erkennen. Das Tool nutzt Deep-Learning-Algorithmen, um Aufnahmen des Gesichts der Kinder mit Krankenakten abzugleichen und nach Hinweisen auf mehr als 100 Erbkrankheiten zu suchen. Dazu gehören unter anderem das Cornelia-de-Lange-Syndrom und das Downsyndrom, die beide durch spezifische Merkmale im Gesicht erkannt werden können. Das Diagnose-Tool soll der Früherkennung dienen und somit eine rasche Behandlung ermöglichen.

15. NETZWERK FÜR GANZHEITLICHE GESUNDHEITSPFLEGE

Das Gesundheitsunternehmen Kaiser Permanente hat mit „Thrive Local“ ein Netzwerk kreiert, mit dessen Hilfe im Rahmen der Pflege auch soziale Bedürfnisse adressiert werden sollen. Es basiert auf einer Umfrage, die ergab, dass eine Mehrheit der US-AmerikanerInnen diese als integralen Bestandteil der Gesundheitspflege sieht. Das Netzwerk verbindet Gesundheitsdienstleister mit lokalen Sozialdiensten, die sich um Probleme hinsichtlich der Unterbringung, Sicherheit, Verpflegung und Energieversorgung kümmern sollen. Das Netzwerk entsteht gemeinsam mit Non-Profit-Organisationen und den Behörden.

Quelle: TRENDONE GmbH, www.trendexplorer.com, Executive Trend Summary Dezember 2019